Was ist das Nordische Modell?

Das Nordische Modell ist ein menschenrechtsbasierter und gleichstellungsorientierter Ansatz im Umgang mit Prostitution.

Es geht davon aus, dass die Würde jedes Menschen unantastbar ist und dass sexuelle Handlungen nicht Gegenstand von Kauf und Verkauf sein sollten. Befürworter*innen des Nordischen Modells sehen Prostitution deshalb nicht allein als individuelle Entscheidung, sondern auch als Ausdruck gesellschaftlicher Ungleichheiten und geschlechtsspezifischer Machtverhältnisse.

Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass Gleichstellung von Frauen und Männern nicht erreicht werden kann, solange überwiegend Männer sexuelle Handlungen kaufen und überwiegend Frauen ihren Körper unter oft ungleichen Bedingungen zur Verfügung stellen.

Das Nordische Modell versteht Prostitution daher nicht nur als individuelles Geschehen, sondern als gesellschaftliche und politische Herausforderung, die Fragen von Menschenrechten, Gleichstellung, Gewaltprävention und sozialer Gerechtigkeit berührt.

Gleichzeitig richtet es den Blick auf die Nachfrage. Ohne die Nachfrage nach Prostitution gäbe es keinen Prostitutionsmarkt. Deshalb setzt das Nordische Modell nicht bei den Menschen in der Prostitution an, sondern bei denjenigen, die sexuelle Handlungen kaufen, sowie bei denjenigen, die von Prostitution wirtschaftlich profitieren.

Das Nordische Modell verbindet vier zentrale Elemente:

Entkriminalisierung der Menschen in der Prostitution

Menschen in der Prostitution sollen nicht bestraft werden. Stattdessen sollen ihre Rechte gestärkt und der Zugang zu Beratung, Schutz und Unterstützung verbessert werden.

Sanktionierung des Sexkaufs

Die Nachfrage nach Prostitution wird als zentrale Voraussetzung für den Prostitutionsmarkt verstanden. Deshalb werden Käufer und alle Profiteure sexueller Handlungen rechtlich zur Verantwortung gezogen. Zu den Profiteuren gehören unter anderem Zuhälter, Bordellbetreiber, Vermittlungsplattformen sowie weitere Personen und Strukturen, die wirtschaftlich vom Prostitutionssystem profitieren. Das Nordische Modell richtet den Blick deshalb nicht nur auf den Sexkauf selbst, sondern auch auf die wirtschaftlichen Interessen, die Prostitution aufrechterhalten und fördern können.

Schutz- und Ausstiegsangebote

Menschen, die die Prostitution verlassen möchten, sollen Zugang zu Beratung, Schutz, Bildung, Qualifizierung und sozialen Hilfen erhalten. Ziel ist es, reale Alternativen zu schaffen.

Prävention und gesellschaftliche Aufklärung

Das Nordische Modell umfasst auch Aufklärung über Menschenrechte, Gleichstellung und die Folgen sexueller Ausbeutung. Es versteht die Auseinandersetzung mit Prostitution als gesellschaftliche Aufgabe.

Das Nordische Modell verbindet Schutz, Prävention, Ausstiegshilfen und die Verantwortung der Nachfrageseite. Aus unserer Sicht bietet es einen geeigneten Ansatz, um Ausbeutung zu reduzieren und die gesellschaftliche Debatte über Prostitution weiterzuentwickeln.