FAQ

Was ist das Nordische Modell?

Das Nordische Modell ist ein prostitutionspolitischer Ansatz, der 1999 erstmals in Schweden eingeführt wurde. Ziel ist es, Ausbeutung in der Prostitution zu reduzieren, die Nachfrage nach Prostitution zurückzudrängen und Menschen in der Prostitution besser zu schützen.

Die zentralen Elemente sind:

  • Entkriminalisierung der Menschen in der Prostitution
  • Sanktionierung des Sexkaufs sowie ausbeuterischer Strukturen
  • Ausbau von Ausstiegs- und Unterstützungsangeboten
  • Prävention und gesellschaftliche Aufklärung

Werden Menschen in der Prostitution bestraft?

Nein.

Ein zentraler Grundsatz des Nordischen Modells ist, dass Menschen in der Prostitution nicht kriminalisiert werden sollen. Die rechtliche Verantwortung wird auf Käufer und Profiteure des Systems verlagert.

Warum setzt das Nordische Modell bei der Nachfrage an?

Prostitution existiert nicht unabhängig von Nachfrage. Ohne Käufer gäbe es keinen Prostitutionsmarkt.

Das Nordische Modell geht davon aus, dass insbesondere in legalisierten Märkten Nachfrage, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung eng miteinander verbunden sind. Deshalb soll die Nachfrage reduziert werden.

Der Prostitutionsmarkt ist zudem stark geschlechtlich geprägt: Die Käufer sind überwiegend Männer, während sich in der Prostitution überwiegend Frauen befinden.

Warum sprechen manche Menschen nicht von „Sexarbeit“?

Der Begriff „Sexarbeit“ wird verwendet, um Prostitution als Form von Arbeit zu beschreiben und die Rechte der Betroffenen zu betonen.

Kritiker*innen weisen darauf hin, dass dadurch strukturelle Bedingungen wie Gewalt, ökonomischer Druck oder fehlende Alternativen aus dem Blick geraten können.

Im Umfeld des Nordischen Modells wird daher häufig von „Menschen in der Prostitution“ gesprochen.

Gibt es nicht auch selbstbestimmte Prostitution?

Ja, es gibt Menschen, die ihre Tätigkeit in der Prostitution als selbstbestimmte Entscheidung beschreiben.

Die Debatte um das Nordische Modell richtet sich jedoch weniger an einzelnen Erfahrungen als an den gesellschaftlichen Strukturen des Prostitutionsmarktes.

Kritiker*innen der bestehenden Regelung weisen darauf hin, dass viele Menschen in der Prostitution unter Bedingungen von Armut, Gewalt, Abhängigkeiten oder fehlenden Alternativen leben.

Geht es beim Nordischen Modell um Moral?

Nein.

Das Nordische Modell versteht Prostitution in erster Linie als gesellschaftliche und politische Frage – nicht als moralisches Fehlverhalten einzelner Personen.

Im Mittelpunkt stehen:

  • Machtverhältnisse
  • soziale Ungleichheit
  • Geschlechterungleichheit
  • ökonomischer Druck
  • Gewalt- und Ausbeutungsstrukturen

Bedeutet das Nordische Modell ein vollständiges Prostitutionsverbot?

Nein.

Das Nordische Modell ist kein Totalverbot von Prostitution. Menschen in der Prostitution sollen nicht bestraft werden.

Ziel ist vielmehr:

  • die Nachfrage zu reduzieren
  • Ausbeutung einzudämmen
  • den Markt langfristig zurückzudrängen
  • reale Alternativen und Ausstiegsmöglichkeiten zu schaffen

Führt das Nordische Modell dazu, dass Prostitution „in den Untergrund“ geht?

Diese Kritik wird häufig geäußert.

Befürworter*innen des Nordischen Modells weisen darauf hin, dass illegale und verdeckte Formen von Prostitution und Menschenhandel auch in legalisierten Systemen existieren. Entscheidend sei daher nicht allein die rechtliche Form, sondern ob ausreichend Schutz-, Ausstiegs- und Unterstützungsstrukturen vorhanden sind.

Gibt es Länder, die das Nordische Modell eingeführt haben?

Ja.

Elemente des Nordischen Modells bestehen unter anderem in:

  • Schweden
  • Norwegen
  • Island
  • Frankreich
  • Irland
  • Kanada
  • Israel

Die konkrete Umsetzung unterscheidet sich jedoch von Land zu Land.

Warum reicht Legalisierung allein aus Sicht vieler Kritiker*innen nicht aus?

Kritiker*innen der Legalisierung weisen darauf hin, dass auch ein legalisierter Prostitutionsmarkt von Ausbeutung, Machtungleichgewichten und Menschenhandel geprägt sein kann.

Das Prostituiertenschutzgesetz reguliert zwar einzelne Bereiche, verändert aus Sicht vieler Kritiker*innen jedoch nicht die grundlegenden Marktstrukturen von Prostitution.

Welche Rolle spielen Menschenrechte im Nordischen Modell?

Das Nordische Modell versteht Prostitution als Frage von Menschenwürde, Gleichstellung und Schutz vor Ausbeutung.

Befürworter*innen weisen darauf hin, dass viele Menschen in der Prostitution besonders häufig von Gewalt, Armut, Migrationserfahrungen oder anderen belastenden Lebensumständen betroffen sind. Deshalb könne Prostitution nicht ausschließlich als individuelle Marktentscheidung betrachtet werden.

Gibt es auch Kritik am Nordischen Modell?

Ja.

Kritiker*innen befürchten unter anderem:

  • stärkere Verdrängung in unsichtbare Bereiche
  • erschwerten Zugang zu Hilfsangeboten
  • zusätzliche Unsicherheit für Menschen in der Prostitution

Befürworter*innen halten dagegen, dass auch legalisierte Prostitutionsmärkte Ausbeutung und Menschenhandel nicht verhindern und dass die konkrete Ausgestaltung von Schutz- und Ausstiegssystemen entscheidend ist.

Was ist das Ziel des Nordischen Modells?

Das langfristige Ziel ist eine Gesellschaft,

und in der Schutz, Gleichstellung und Menschenwürde gestärkt werden.

in der niemand aus Armut, Abhängigkeit oder fehlenden Alternativen heraus Prostitution ausüben muss,

in der sexuelle Handlungen nicht käuflich gemacht werden,